Evangelischer Kirchenkreis Dortmund

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09.01.2017

Theaterprojekt von und mit Migrantinnen

Foto: Stephan Schütze
Noch sind es die Proben, doch ab Mai präsentieren die Frauen „ihr“ Theaterstück auf der großen Bühne. Foto: Stephan Schütze

Einfach Frei

Was ist eigentlich Freiheit? Nicht unterdrückt oder gefangen zu sein? Oder ist es die Luthersche „Freiheit eines Christenmenschen“ von der Furcht, Gott aus eigener Leistung nicht gerecht zu werden? „Einfach frei“ also? Auf einem besonderen Weg nähert sich jetzt ein Theaterprojekt unter gleichem Titel dem Begriff der „Freiheit“ an.

Auf die Bühne gestellt wird es vom Evangelischen Bildungswerk Dortmund gemeinsam mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Westfalen. Das Spezielle dabei: die (Laien)schauspielerinnen sind rund zwei Dutzend Flüchtlingsfrauen oder Frauen mit Migrationshintergrund.

Und die bringen ihre ganz eigene Erfahrung von „Freiheit“ mit, die im Theaterstück eine Rolle spielen soll. Denn dessen Inhalt und Inszenierung erarbeiten die Frauen gemeinsam unter fachkundiger Anleitung des Schauspielers Kai Bettermann und der Theaterpädagogin Lene Harlan.

Diallo ist eine der Flüchtlingsfrauen, die im Frühsommer auf der Bühne stehen werden. Um frei zu sein, ist sie vor fünf Jahren aus ihrem Heimatland Guinea geflüchtet. Dort sollte sie zwangsverheiratet werden – mit einem Mann, der mehr als doppelt so alt ist wie die heute 24-Jährige. Die Freiheit, sich diesem elterlichen Beschluss zu widersetzen, gab es nicht.

„In meiner Heimat darf man den Eltern und überhaupt älteren Menschen nicht widersprechen.“ Die Konsequenz war zu flüchten. Als sie in Berlin ankam, wusste sie noch nicht mal, in welchem Land sie ist. Auf Umwegen kam sie nach Dortmund. „Hier gibt es Freiheit“, sagt sie. Doch sie selbst fühlt sich nicht wirklich frei. Die Schatten ihrer Vergangenheit holen sie immer wieder ein. „Ich bin hier, doch mein Kopf ist in Afrika.“  Ihr Vater habe sie verflucht,  erzählt sie. „Er macht mich bis heute verrückt, ich habe Angst.“

Sie hofft, dass das Theaterstück ihr hilft, diese Angst zu verlieren. Das Gleiche hofft auch Katrin Köster, Leiterin des Bildungswerks. „Die Frauen lernen, sich zu präsentieren, sie lernen Stabilität und Halt in der Gruppe und ihr Selbstbewusstsein wird gesteigert.“ Aus 20 unterschiedlichen Ländern kommen sie. Was sie verbindet ist, dass sie beim Evangelischen Bildungswerk Deutsch lernen und ihren nachträglichen Schulabschluss machen. Diallo hat es bereits zur Hälfte geschafft. Ihren Hauptschulabschluss hat sie schon in der Tasche und im Sommer ist der Realschulabschluss dran.

Beim Theaterspielen – „das macht mir Spaß“ – will sie ihren „Stress rauslassen“ und ihre Mitschülerinnen besser kennenlernen.  Ab dem 25. Januar geht es mit den Proben weiter (jeweils mittwochs). Ab Mai ruft dann die große Bühne. Geplant sind zwei Aufführungen im Theater im Depot und eine weitere bei dem Kirchentag des Evangelischen Kirchenkreises.

Übrigens: wer Lust und Laune hat, kann gerne noch mitmachen. Auch deutsche Frauen sind willkommen. Weitere Infos bei Katrin Köster, Telefon: 0231 8494-407 oder E-Mail: katrin.koester(at)ekkdo.de.

„spendobel“ unterstützt Theaterprojekt

Es sind Laienschauspielerinnen, doch es soll kein Laienschauspiel werden. Denn hinter dem außergewöhnlichen Projekt „Einfach frei“ steht eine professionelle Herangehensweise. Das beginnt beim Training mit dem Schauspieler und der Theaterpädagogin und endet bei der „richtigen“ Theaterbühne, die von Bühnenbild bis Requisite und Kostüm künstlerisch gestaltet ist, noch lange nicht.

Deshalb kostet „Einfach frei“ Geld. „spendobel“, das Dortmunder Spendenparlament, hat es zu einem von zehn förderungswürdigen Projekten gewählt. Weitere Informationen und der Hinweis auf Spendenmöglichkeit unter:

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