Evangelischer Kirchenkreis Dortmund

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08.05.2017

Reformation körperlich spürbar gemacht

Foto: Stephan Schütze
30 Laienschauspielerinnen aus 15 Ländern spielten das Stück "Einfach frei" im Theater im Depot. Foto: Stephan Schütze

Theaterstück „Einfach frei“ hatte Premiere

Niemals hätte sie gedacht, einmal auf einer Bühne zu stehen, so eine der Migrantinnen.  „Sogar in Deutschland.“ Und nach der Vorstellung:  Applaus, lange und laut, begleitet von begeistertem Getrampel mit den Füßen.

„Einfach frei“, so die Theatervorstellung von 30 Laienschauspielerinnen aus 15 Ländern, hatte Anfang Mai Premiere im Theater im Depot. Die, die auf der Bühne standen, waren bis auf wenige Ausnahmen Migrantinnen. Einige von ihnen hatten zu Beginn der Proben noch nicht mal eine Ahnung, was das eigentlich ist, das Theaterspielen. Manche hatten anfangs „kein großes Interesse daran und eigentlich auch keine Motivation“.

Doch nach zwei, drei Proben fing es an, Spaß zu machen. Und jetzt, nach der Premiere, sagte eine der Frauen stolz: „Vom Charakter her bin ich eine Schauspielerin.“ Und eine andere: „Ich wollte schon immer eine Berühmtheit werden.“

Auf die Idee gekommen, die Migrantinnen gemeinsam mit deutschen Frauen auf die Bühne zu stellen, ist das Evangelische Bildungswerk Dortmund, bei dem die Flüchtlingsfrauen ihren Schulabschluss nachholen, gemeinsam mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e.V.

Coach und Regisseure waren der Schauspieler Kai Bettermann und die Theaterpädagogin Lene Harlan. Gemeinsam mit den Frauen haben sie das Theaterstück mit seinen Inhalten zum Thema „Freiheit“ in nur zwölf Proben zur Bühnenreife entwickelt. Die Theatercollage, die jetzt in rund einer Stunde präsentiert wurde, zeigte die unterschiedlichen Facetten, Erfahrungen und Auslegungen des Themas.

Freiheit, das kann einfach bedeuten, lange zu schlafen. Oder wie ein Zitat aus der Werbung der fünfziger Jahre – zum Gelächter des Publikums – behauptete, ein Schnellkochtopf gebe den Hausfrauen die Freiheit von Küchenarbeit.

Freiheit kann aber auch einen ernsten, sogar lebensbedrohlichen Charakter annehmen: „Ich bin aus Palästina“, so rezitierte eine der Flüchtlingsfrauen auf der Bühne.“ Mein Land ist ein besetztes Land. Ich hatte immer Angst, dass ich jeden Augenblick sterben könnte. Seit 2011 bin ich in Deutschland. Ich liebe die Freiheit. Doch bis jetzt konnte ich noch nie meine Familie zuhause besuchen. Wo ist meine Freiheit?“

„Berührt von den persönlichen Geschichten“ der Frauen äußerte sich eine Zuschauerin aus dem Publikum. Mit Erzählungen und Lieder, Zitaten und Anleihen bekannter Theaterstücke oder auch choreografisch interpretierten die Frauen ihre individuellen Eindrücke des Themas „Freiheit“.

Eine Frage, der ja auch Luther nachgegangen ist. Deshalb begreift sich „Einfach frei“ als Beitrag zum Reformationsjubiläum. „Mit dem Theaterstück“, so Kai Bettermann, „haben wir die Reformation körperlich spürbar gemacht.“

Nach der Premiere und einer weiteren Aufführung gibt es noch eine Chance, „Einfach frei“ zu sehen. Beim Kirchentag des Evangelischen Kirchenkreises am 1. Juli präsentieren die Schauspielerinnen Ausschnitte aus ihrem Stück.

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