Evangelischer Kirchenkreis Dortmund

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16.02.2017

Menschenschmuggel und Waffenhandel

Foto: Stephan Schütze
Die Diskussionsteilnehmer Paul-Gerhard Stamm und Christine Hoffmann (Pax Christi) zusammen mit Felix Eichhorn (Ev. Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e.V.), Michael Eickhoff (Chefdramaturg am Schauspiel Dortmund) und Katrin Köster (Ev. Bildungswerk Dortmund) in der Kulisse der „Schwarzen Flotte“ (v.l.). Foto: Stephan Schütze

„Die schwarze Flotte“  - Theaterstück mit Diskussion im „Megastore“

Menschenhandel, Waffen, Drogen. „Alles hängt mit allem zusammen“, sagt Andreas Beck in dem Theaterstück „Die schwarze Flotte“. In einem knapp anderthalbstündigen, schauspielerisch bewundernswert großartigen Monolog fasziniert er die Zuschauer mit der Aufdeckung eines Netzwerkes, das in großem Stil Flüchtlinge schmuggelt, illegal Waffen und Drogen transportiert. Das Stück ist keine Fiktion. „Die Fakten stimmen“, sagt in der anschließenden Podiumsdiskussion Anne-Kathrin Schulz, die Autorin.

„Die schwarze Flotte“ ist im Spielplan des Dortmunder Theaters. Das Evangelische Bildungswerk Dortmund und das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e.V. hatten zur moderierten Diskussionsrunde eingeladen.

Realer Hintergrund des Stücks: Anfang des Jahres 2015 havariert der Frachter „Ezadeen“ an der italienischen Küste. Vollgeladen ist er mit einer besonderen Ware: der Ware Mensch. Es sind 360 Flüchtlinge, die – insgesamt – mehrere Millionen Euro an die Schlepper zahlen mussten. In den Monaten zuvor und danach tauchen ähnliche Frachter mit der gleichen Ware auf.

„Es war wie ein Krimi. Mir sind die Augen aufgegangen über die Verflechtungen und darüber, welches falsche Spiel gespielt wird.“
Ein Zuschauer nach der Aufführung

Mehrere tausend Flüchtlinge, die mehr als 50 Millionen Euro einbringen. Ein lukratives Geschäft. Und klar ist, das sind keine Kleinkriminellen, das ist eine Industrie. Der Journalist David Schraven geht mit seinem Rechercheteam „Correctiv“ auf die Suche nach den Hintermännern.

Eine schwierige Suche, denn die Schmuggler registrieren ihre Reedereien auf einschlägig bekannten Steuerparadiesen wie den Marschall-Inseln. „Es sind Briefkastenfirmen“, erklärt der Schauspieler Beck im Stück und ergänzt, „manchmal sogar ohne Briefkasten.“

Die Suche führt die Journalisten nach Piräus und ins syrische Tartus. Das Netzwerk, auf das Correctiv schließlich doch stößt, besteht aus fünf Reederfamilien. Ihre Verbindungen und Firmen erstrecken sich über das gesamte östliche Mittelmeer. Der Menschenschmuggel ist vermutlich der kleinste Teil ihres Geschäfts, noch mehr verdienen sie an Drogen und vor allem am Waffenhandel.

Die Dramaturgin und Autorin Anne-Kathrin Schulz hat die Rechercheergebnisse dem Schauspiel neu auf den Leib geschrieben. „Ich habe zeitweise mit einer Excel-Tabelle gearbeitet, um die Schiffsbewegungen von 150 Frachtern nachzuvollziehen.“

Hut ab vor dieser Arbeit und der schauspielerischen Leistung meint in der sich anschließenden Diskussionsrunde Christine Hoffmann. Die Generalsekretärin von Pax Christi war eigens zu der Aufführung von Berlin angereist.

Und sie macht auf die Grauzone zwischen der „Schwarzen Flotte“ und dem „legalen“ Waffenhandel aufmerksam. Denn die Rüstungsexporte Deutschlands – mehr als 4 Milliarden Euro im letzten Jahr – seien „der langanhaltendste Skandal in der deutschen Außenpolitik“.